In einer Papier- und Zellstofffabrik treten Probleme selten in den ersten Tagen nach der Fertigstellung der Anlage auf. Sie zeigen sich erst Jahre später, wenn die Produktion auf Hochtouren läuft, die Temperaturen ansteigen und aggressive Medien im System zirkulieren. Ab diesem Zeitpunkt ist Zuverlässigkeit mehr als nur ein Konstruktionsziel – sie wird entscheidend für den laufenden Betrieb, Sicherheit und Kostenkontrolle.
Anlagenbetreiber kennen den entscheidenden Faktor, der zwischen stabilem Betrieb und unvorhergesehenem Stillstand steht: vernachlässigte Komponenten, die seit der Installation nicht mehr gewartet wurden. Dazu zählen auch Armaturen und Kompensatoren. Sie bleiben unauffällig, wenn sie korrekt für ihre Zwecke ausgelegt wurden. Sind sie fehlerhaft, wirkt sich das unmittelbar auf die Produktivität, den Wartungsaufwand und den gesamten Betrieb aus.
Mit diesem Wissen im Hintergrund verfolgt KLINGER Portugal eine klare Strategie in der Arbeit mit Papier- und Zellstofffabriken: Komponenten müssen zuverlässig arbeiten, ohne Spielraum für Fehler. Mit diesem Ansatz ist das Unternehmen schon seit seinen frühen Tagen in der Branche erfolgreich – und das Jahr für Jahr mit mehreren Projekten unterschiedlicher Größe.
Risiken im Betrieb vermeiden
Aufgrund ihrer einfachen Funktionsweise sind Armaturen und Kompensatoren nur in seltenen Fällen das schwächste Glied in der Kette. Meist liegen die Fehlerquellen in den umliegenden Prozessbedingungen. Aggressive oder ätzende Medien, Kristallisation in Verdampfungsprozessen und extreme Temperaturschwankungen sorgen für konstante Herausforderungen an Material und Design. Unter diesen Bedingungen können schon kleinste Fehler in der Materialauswahl oder bei der Armaturkonstruktion weitreichende Langzeitfolgen mit sich ziehen.
Dementsprechend zählen Material und Konstruktion zu den häufigsten Schwachstellen in Papier- und Zellstofffabriken. Oft stellen sich Fehlentscheidungen in der Beschaffung erst nach langem Einsatz im laufenden Betrieb heraus.

„Instabile Abläufe, übermäßiger Druckverlust, beschleunigte Abnutzung oder ungeplante Stillstandszeiten sind die typischen Warnsignale – sie alle wirken sich auf die Anlagensicherheit, den Wartungsaufwand und die Produktionsleistung aus.“
Helder Almeida, Vertriebsleiter für Flüssigkeitsregelung und Dichtungslösungen bei KLINGER Portugal
Fact box
Ausgewählte Projekte
- Rückgewinnungskessel: DN 1100 – DN 1700 Kompensatoren für Dampfleitungen
- Verdunstungsanlagen: Kugelhähne und Absperrklappen mit speziellen Legierungen für Schwarzlauge
- Bleichung: Komplettpakete mit beschichteten Kugelhähnen für korrosive Medien
- Anlagenweite MRO: Dichtungen, Armaturen, Messinstrumente und Kompensatoren.
Konstruktionsentscheidungen mit Langzeitwirkung
Um diese Risiken zu vermeiden, setzt KLINGER Portugal auf die frühe Einbindung in der Spezifikationsphase. Anlagenprozesse werden als großes Ganzes betrachtet, anstatt sich isoliert auf einzelne Komponenten zu konzentrieren. Mitbedacht werden dabei die Charakteristika der eingesetzten Medien, Druck, Temperatur, Temperaturschwankungen, Vibrationseinwirkung und gesetzliche Vorgaben.
Dieser Zugang bewährte sich zuletzt bei der Installation eines großen Rückgewinnungskessels. Verbaut wurden darin Kompensatoren mit großen Durchmessern (DN 1100, DN 1300, DN 1700), die den Kessel mit Kanälen für die Abführung von Verdampfungsgas verbinden. Da diese Verbindungen hohen Temperaturen und Vibrationen ausgesetzt sind, müssen die Kompensatoren Bewegungsenergie aufnehmen, ohne dabei übermäßige Lasten auf die angeschlossenen Rohrleitungen zu übertragen. Spezialisten von KLINGER Turkey, dem Hersteller der Kompensatoren, stellten die notwendigen Berechnungen und Analysen an, um die technische Freigabe zu erhalten und eine langfristige Anlagenstabilität zu gewährleisten. Der Anlagenbetreiber konnte sich mit dieser vorausschauenden Planung nicht nur das Risiko von Installationsfehlern ersparen, sondern auch einer frühzeitigen Materialermüdung zuvorkommen.

Im Beitrag erwähnte Kontakte:
Helder Almeida, Vertriebsleiter für Flüssigkeitsregelung und Dichtungslösungen bei KLINGER Portugal
Armaturen arbeiten im Stillen
Dieselbe leistungsorientierte Logik kommt auch bei Armaturen in anderen Projekten zur Anwendung. In Verdunstungsanlagen für Schwarzlauge werden Kugelhähne und Absperrklappen eingesetzt, die aus speziellen Legierungen gefertigt sind, um sie widerstandsfähig gegen Verkrustung und chemische Belastungen zu machen. Für die Bleichung wurden beschichtete Kugelhähne gewählt, die auch bei aggressiven Medien dicht bleiben und zuverlässig arbeiten.
Arbeiten diese Komponenten wie gewünscht, brauchen sie nur wenig Aufmerksamkeit. Ihr wahrer Wert stellt sich über die Zeit heraus – durch konstante Funktionalität, geringen Wartungsaufwand und durchgängige Prozesskontrolle.


Es läuft
Das Ausbleiben von Zwischenfällen ist wohl der beste Beweis für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Papier- und Zellstoffindustrie: keine Notfall-Telefonate unter Volllast, keine unerwarteten Stillstände, keine hastigen Reparaturen unter Zeitdruck. Das System läuft und läuft und läuft.
„Papier- und Zellstofffabriken arbeiten nicht durch Zufall so verlässlich. Sie werden mittels besten Prozesswissens konzipiert, die richtigen Materialien werden eingesetzt, und die Anlage wird als Ganzes betrachtet, anstatt die Komponenten einzeln zu betrachten“, sagt Almeida. Mit dem umfassenden Know-how von Anlageningenieuren von der Spezifikation über den Betrieb bis hin zu laufenden MRO-Aktivitäten trägt KLINGER Portugal dazu bei, technische Komplexität in operative Kontinuität zu überführen – ein Vorteil, der die Wettbewerbsfähigkeit in einer anspruchsvollen Branche vorantreibt.


