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PFAS-Update: PTFE ist unverzichtbar für die Industrie

Von der kritischen Rolle von Polytetrafluoroethylen (PTFE) inmitten der Debatte über PFAS.

Alberto Rocca ist seit 1. Jänner 2024 Business Development Manager für den Dichtungsbereich der KLINGER Group. Er äußerst sich angesichts der laufenden Diskussion zu PFAS über die essenzielle Rolle von Polytetrafluoroethylen (PTFE) als Dichtungsmaterial.

Seine langjährige Erfahrung in der Dichtungsindustrie verhilft Alberto Rocca in seiner neuen Position bei der KLINGER Holding zu einem klaren Standpunkt in der aktuellen Debatte über Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (per- and polyfluoroalkyl substances, PFAS). Er ist ein Verfechter der besonderen Rolle von PTFE – eine von über 9000 Substanzen auf der vorgeschlagenen Verbotsliste – für verschiedenste Industriezweige und warnt vor den Herausforderungen, die durch die angedachten Regelungen auftreten könnten. „Die Fokussierung auf PFAS erzeugt eine nie dagewesene Aufmerksamkeit für PTFE, ein Grundmaterial der Dichtungsbranche, das bereits seit 60 bis 70 Jahren auf dem Markt ist“, sagt Rocca.

Keine Alternativen zu PTFE

Als Mitglied und ehemaliger Vorsitzender des Verbands der europäischen Dichtungshersteller (European Sealing Association, ESA) führt Rocca eine Marktstudie in Zusammenarbeit mit Ricardo ins Treffen, die sich mit der öffentlichen Wahrnehmung von PTFE beschäftigt.

„Nur 20 Prozent der aktuell eingebauten Dichtungen können in den nächsten Jahren ausgetauscht werden. PTFE ist für die Dichtungsbranche unerlässlich.“

Alberto Rocca, Business Development Manager für den Dichtungsbereich bei KLINGER Holding

Rocca macht auf die Schwierigkeiten in Hinblick auf einen geeigneten Ersatz für PTFE aufmerksam. „Es gibt im Moment keine wirkliche Alternative. Die einzigartigen Eigenschaften von PTFE können nicht einfach ersetzt werden, erst recht nicht in einem Temperaturbereich unter 300° Celsius.“ Das bedeute enorme Herausforderungen für alle Branchen, die auf den Einsatz von PTFE angewiesen sind.

Im Beitrag erwähnte Kontakte:

Alberto Rocca, Business Development Manager für den Dichtungsbereich bei KLINGER Holding

Die außergewöhnliche Lebensdauer von PTFE

Gerade in anspruchsvollen Einsatzgebieten, die chemische Beständigkeit und Temperaturstabilität erfordern, ist die Haltbarkeit von PTFE nach wie vor unübertroffen. Das Material ist bekannt für seine Widerstandsfähigkeit und kann seine Eigenschaften sowie Effektivität über lange Zeit aufrechterhalten. Oft hält das Material über zehn Jahre ohne wesentlichen Verschleiß. Dieser Aspekt ist besonders bei Wasserstoff-Elektrolyseuren von Bedeutung, wo PTFE als Mittel der Wahl gilt, weil es in der Lage ist, über lange Zeitspannen hinweg einen problemlosen Betrieb zu gewährleisten.

Die Auswirkungen auf andere Branchen

2021 umfasste das Marktvolumen von PTFE-Dichtungen rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Das Verbot von PTFE hätte tiefgreifende Auswirkungen auf verschiedenste Wirtschaftssektoren. Rocca warnt: „Die Automobilindustrie, Öl und Gas, aber auch vor allem der Medizinbereich müssten sich mit markanten Verwerfungen auseinandersetzen.“ Dennoch ist er zuversichtlich, dass diesem Szenario mit Innovationen gegengesteuert werden könnte – wenn auch unter Vorbehalt: „Es wird laufend nach Alternativen geforscht, aber die einzigartigen Vorteile von PTFE, insbesondere die chemische Beständigkeit, machen es so gut wie unersetzbar.“ Unternehmen wie die KLINGER Group haben bereits die Abkehr von schädlichen PFAS-Substanzen in die Wege geleitet, die Realität zeigt aber, dass es sich dabei mangels brauchbarer Alternativen um einen komplexen Vorgang handelt.

Die Liste an PFAS-Substanzen umfasst 9000 Stoffe, einer davon PTFE.

Globale Zugänge zur PFAS-Regelung

Die unterschiedliche Handhabung der Regulierung von PFAS-Substanzen sorgt dafür, dass sich in den USA, China und Europa jeweils eigene Ansätze etabliert haben. „In Europa wird ein weitreichendes Verbot angedacht, unabhängig davon, wie Fluorpolymere, zu denen auch PTFE zählen, hergestellt werden. Das führt zu äußert strengen Einschränkungen“, sagt Rocca. Eine ganz andere Situation herrscht indes in den USA, wo der Schwerpunkt auf der Aufzeichnung und Überwachung hinsichtlich des Einsatzes von PFAS im Vordergrund steht – und nicht die Verbote. In einer Vorschrift der US-Umweltbehörde EPA wird beispielsweise eine Überwachung festgelegt, die aber nicht den Einsatz aller PFAS-Substanzen generell verbietet. Im pazifischen Raum und in China ist das Bewusstsein über PFAS weniger ausgeprägt, dementsprechend sind auch keine ähnlichen Regelungen geplant.

Diese regionalen Unterschiede bringen bedeutende Herausforderungen für global agierende Unternehmen mit sich: „Europas strikte Haltung könnte Wettbewerbsnachteile nach sich ziehen, weil sich amerikanische und asiatische Unternehmen nicht denselben Einschränkungen unterwerfen müssen“, sagt Rocca. Die unterschiedlichen Herangehensweisen in der Regulierung von PFAS machen deutlich, wie sehr es wohlüberlegte Strategien braucht, um die komplexen globalen Einsatzmöglichkeiten von PFAS und PTFE auszuloten.

Nächste Schritte der ESA

Die ESA wird ihre Erkenntnisse demnächst der Europäische Chemikalienagentur (European Chemicals Agency, ECHA) vorlegen. Die ESA-Mitglieder arbeiten mit nationalen Regierungen zusammen, um das Bewusstsein für die Herausforderungen der Industrie zu verbessern. Rocca rechnet mit einer Entscheidung der ECHA zu Jahresende (2024) – ein Datum, das zum Scheideweg der industriellen Entwicklung werden könnte. Die Zeit bis dahin ist von großer Unsicherheit geprägt, was einmal mehr die wichtige Rolle der ESA vor Augen führt: Sie repräsentiert eine Branche, die darum bemüht ist, sowohl gangbare als auch nachhaltige Lösungen zu finden. Rocca's Vorschlag: „Wir können uns Regeln vorstellen, wie PTFE-Produkte eingesetzt und entsorgt werden sollen, anstatt Komplettverbote auszusprechen.“

Eine Illustration zu Dichtungen aus PFAS und PTFE.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was steckt hinter den „schwarzen“ und „weißen“ Materialien im Kontext mit PTFE?

„Schwarze“ und „weiße“ Materialien beziehen sich auf eine temperaturbasierte Einteilung in der Dichtungsbranche. Bis zu 300°C werden „weiße“ Materialien wie PTFE aufgrund ihrer chemischen Kompatibilität und Vielseitigkeit eingesetzt. Bei Temperaturen über 300°C spricht man von „schwarzen“ Materialien, typischerweise Graphit, die wegen ihrer Resistenz gegen Hitze bevorzugt werden.

Welche Auswirkungen werden die geplanten PFAS-Regelungen auf die Zukunft der Dichtungsbranche haben?

Mit den vorgeschlagenen PFAS-Regelungen könnte es zu bedeutenden Veränderungen für die Dichtungsbranche kommen, besonders in Europa. Die Vorschriften könnten dazu führen, dass der Einsatz von PTFE strengeren Kontrollen unterliegt. Dadurch steigt die Bedeutung von Forschung zu alternativen Materialien und von angepassten Einsatzrichtlinien.

Sind brauchbare Alternativen zu PTFE aktuell verfügbar?

Die Suche nach einem Material, dass der Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit von PTFE ebenbürtig ist, stellt eine große Herausforderung dar. Angesichts der laufenden Debatte rund um PFAS-Substanzen bemüht sich die Industrie, Alternativen aufzustellen. Derzeit stoßen sie aber an ihre Grenzen und können nicht dieselbe Bandbreite an Einsatzgebieten abdecken, wie es PTFE in der Lage ist.

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