Wärme und Elektrizität erzeugen mit einem Streich: Das steckt, vereinfacht gesagt, hinter dem Konzept der Kraft-Wärme-Kopplung (Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk, GuD; engl. Combined heat and power, CHP). Während herkömmliche Kraftwerke diese beiden Energieformen in getrennten Prozessen erzeugen, ist ein GuD-Kraftwerk in der Lage, die Abwärme aus der Stromproduktion einzufangen und weiterzuleiten. Mittels dieser Methode lässt sich die Energieeffizienz von 50 auf 90 Prozent steigern. Zusätzlich wird die Netzinfrastruktur entlastet. Zur Anwendung kommt diese Technologie daher nicht nur im neuen Wärmekraftwerk Dradenau im Hamburger Hafen, sondern auch in zahlreichen weiteren Modernisierungen bestehender Anlagen. Treibende Kraft hinter diesen Bemühungen: die Erreichung der Klimaziele.

Im Beitrag erwähnte Kontakte:
Hilal Pehlivan, Vertriebsingenieurin bei KLINGER Turkey
Kaşif Demet, Vertriebsleiter bei KLINGER Turkey
Andreas Schwarz, Vertriebsmitarbeiter in Deutschland für KLINGER Fluid Control
Kundenspezifische Kompensatoren
Das ambitionierte und bahnbrechende Bauprojekt in Hamburg brachte Herausforderungen mit sich, für die KLINGER Turkey als erfahrener Hersteller von Präzisions-Kompensatoren bestens gerüstet war. Den Zuschlag für das Projekt erteilte das Joint Venture Uniper-ENKA. Die Gasturbinen und die Müllverbrennungsanlage im neuen Kraftwerk wurden von KLINGER mit druckausgleichenden Kompensatoren und in Nennweiten von DN150 bis DN1600 ausgestattet. Die maßgefertigten Kompensatoren wurden auf Rohrleitungen montiert, um Bewegungsenergie zu absorbieren, extreme Temperaturschwankungen auszugleichen und dynamischer Belastung standzuhalten. KLINGER Turkey wurde von Beginn des Planungsprozesses an in das Projekt miteinbezogen.
„Unser Analyseteam war schon in die ersten Vorlauf-Studien involviert. Unsere Expertise in diesem Bereich konnte einen entscheidenden Beitrag leisten“, sagt Hilal Pehlivan aus dem Technischen Vertrieb bei KLINGER Turkey.

„Unser Analyseteam war schon in die ersten Vorlauf-Studien involviert. Unsere Expertise in diesem Bereich konnte einen entscheidenden Beitrag leisten.“
Kaşif Demet (links) und Hilal Pehlivan (rechts, Zitat) von KLINGER Turkey konnten stolz auf den Projekterfolg sein.
Sie teilt sich den Erfolg im Projekt mit ihrem Vertriebskollegen Kaşif Demet, der die Vertriebsstrategie prägte und die Projektkoordination von Anfang bis Ende steuerte.
Der gesamte Projektverlauf wurde von Entwurf über Fertigung bis hin zur Montage durch ausführliche Qualitätsprüfungen begleitet. Damit konnte KLINGER Turkey das Vertrauen seiner Projektpartner weiter stärken. Alle Materialien, die in Dradenau zum Einsatz kommen, erfüllten die strengen Vorgaben hinsichtlich Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit. Die Kompensatoren selbst wurden gemäß der Normen EJMA, EN14917, EN13480-3, and VGB R507 gefertigt. Die Qualitätskontrolle orientierte sich an ISO 9001 und kundenspezifischen Anforderungen.
Für KLINGER Turkey waren es die größten und schwersten Kompensatoren der Firmengeschichte, die sogar schneller geliefert werden konnten, als ursprünglich geplant. Bevor sie verpackt wurden, durchliefen sie noch zahlreiche Prüfverfahren (Röntgen, Dichtheitsprüfung, Druckprüfung). Dank dem ausgefeilten Projektplan konnte die Qualität und Sicherheit jeder einzelnen Komponente gewährleistet werden.


Armaturen für die Fernwärme
Waren es bei KLINGER Turkey die Größe der Produkte, die noch lange in Erinnerung bleiben werden, so gab bei KLINGER Fluid Control vielmehr die Zahl an Produkten Grund zur Freude: „Sportlich“ war die Aufgabe, eine Excel-Tabelle mit rund 1000 Positionen abzuarbeiten, erinnert sich Andreas Schwarz. Es ging um einen Großauftrag, wie er bei KLINGER Fluid Control nicht alle Tage eingeht: Die Gumpoldskirchner wurden ebenso wie KLINGER Turkey von Uniper-ENKA für mit Mitarbeit beim Projekt “KWK-Anlage Dradenau” engangiert. Das brachte ein Auftragsvolumen von insgesamt fünf Millionen Euro mit sich – und jede Menge Arbeit für KLINGER Fluid Control.
2000 Kugelhähne wurden für das Projekt angefordert, darunter 220 Stück der Baureihe Ballostar KHSVI DN150-DN800, die übrigen aus der Baureihe Ballostar KHA DN15-DN100. Die erste Anfrage an KLINGER Fluid Control war bereits im Jänner 2023 eingetroffen. „Wir haben sieben Monate gebraucht, um die genauen Spezifikationen zu vereinbaren und das Leistungsverzeichnis zu erstellen. Im August konnten wir den Auftrag schließlich für uns gewinnen“, sagt Schwarz. Im Laufe der Zusammenarbeit wurde die Arbeit noch um einiges sportlicher – zahlreiche Revisionen mussten durchgeführt werden, weil sich Nennweiten, Werkstoffe und Antriebsarten im Projektverlauf änderten.

Detailverhandlungen
Für KLINGER Fluid Control begann damit ein Rennen gegen die Zeit: Ursprünglich war ein Liefertermin Anfang 2024 angedacht, die Änderungswünsche des Kunden sorgten aber für Verzögerungen. „Es gab dann aber zum Glück Verzögerungen beim Bau des Kraftwerks, die uns in die Karten gespielt haben. Dadurch konnten wir mehr Zeit gewinnen, um alle Details mit dem Kunden abzuklären“, sagt Schwarz. Zu besprechen gab es einiges – etwa die verschiedenen Ausführungen der Armaturen. Eine Vielzahl davon wurde etwa der „Double Block & Bleed“-Variante ausgeliefert. Schwarz erklärt:

„Hier kann mittels Prüf-/Entleerungshahn die Funktion der Dichtelemente überprüft werden, wenn an den Leitungen Arbeiten ausgeführt sollen und sichergestellt werden muss, dass die Armatur zuverlässig abdichtet.“
Andreas Schwarz, Vertriebsmitarbeiter in Deutschland für KLINGER Fluid Control, stützte sich auf seine langjährige Erfahrung mit großen Energieprojekten.
Zwar haben Wartungsarbeiten bei Fernwärmeprojekten wie diesen eher Seltenheitswert, weil die Rohrleitungen tief unter der Erde vergraben werden und für jahrzehntelangen, ungestörten Betrieb ausgerichtet sind. Aber wenn es doch zu Problemen mit den Armaturen kommen sollte, hat KLINGER Fluid Control vorgesorgt: „Alle Kugelhähne sind mit mehrteiligen Gehäusen ausgeführt. Das macht sie wartungsfreundlich, im Bedarfsfall können sie komplett zerlegt werden“, sagt Schwarz.
Bis die Armaturen zum Einsatz kommen, wird es noch dauern – nach weiteren Bauverzögerungen soll das Kraftwerk Dradenau erst ab Start der Heizsaison 2026 einen Großteil Hamburgs mit Fernwärme versorgen. Dann wird es eines der ältesten Kohlekraftwerke Deutschlands ablösen, das Kraftwerk Wedel aus den 1960er Jahren. Deutschland will die Transformation in der Wärmeerzeugung vorantreiben und plant weitere Gaskraftwerke. Für KLINGER Fluid Control die Chance auf den nächsten Großauftrag: In Hamburg und Berlin ist man wieder an gewichtigen Projektausschreibungen beteiligt.
Fact box
Auftragsliste:
Armaturen von KLINGER Fluid Control:
- 220 Ballostar KHSVI DN150–DN800 Serie
-
1780 Ballostar KHA DN15–DN100
Kompensatoren von KLINGER Turkey:
- Druckausgleichende Kompensatoren DN150-DN1600
- winkelförmig druckentlastete Kompensatoren DN150-DN1600


