Branchen-News: Energie

Energiewandel in der Alpenrepublik

Wenn es um nachhaltige Energiequellen und Technologien geht, spielt Wien eine führende Rolle in Europa. Schweizer Energieexpert:innen blickten hinter die Kulissen.

Wussten Sie, dass die Hauptstadt Österreichs, berühmt für ihre Architektur und Kultur, eine der fortschrittlichsten und nachhaltigsten Energieinfrastrukturen Europas beherbergt? KLINGER Gysi nahm diese Tatsache zum Anlass, zum bereits 15. Mal Kunden aus dem Bereich Fernwärme nach Wien einzuladen und einen exklusiven Einblick zu erhalten. Zugleich diente die Tagung im August 2023 dem Austausch und Networking mit Brancheninsidern auf dem Gebiet.

Das Herzstück der Wiener Energie: Spittelau

Einer der Hauptakteure des Tages war Alexander Kirchner, Geschäftsbereichsleiter bei Wien Energie. Das Unternehmen, das als das größte Müllverbrennungsunternehmen Österreichs gilt, verwendet eine Vielzahl von Technologien – mit einer Ausnahme: die Kernkraft. "Wir sind stolz darauf", sagt Kirchner. Fernwärme, die schon in den 1970ern begann, wird heute maßgeblich durch Müllverbrennung erzeugt. Doch bis 2040 soll sich das Portfolio noch stark verändern. Großwärmepumpen, Geothermie und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) für Wasserstoff werden dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Geschichte der Müllverbrennungsanlage Spittelau (MVA) ist von Transformation geprägt. Am 15. Mai 1987 zerstörte ein verheerendes Feuer einen Großteil der Anlage.

“Doch anstatt sich zurückzuziehen, wurde die Anlage erneuert und erstrahlte 1992 in neuem Glanz. Diese Transformation brachte nicht nur moderne Technologie mit sich, sondern auch einen Sinneswandel in der Bevölkerung: Müllverbrennung kann nachhaltig und umweltfreundlich sein.”

Christine Wenzl, Abteilungsleiterin des Betriebs MVA Spittelau und Flötzersteig bei Wien Energie

Seither wächst das Fernwärmenetz in Wien beständig.

Das Lodern der Flammen ist anziehend, verbrannt wird hier der Müll der Wiener Bevölkerung.

Einblick mit Ausblick: Müllverbrennungsanlage

Bei einer Führung durch die Müllverbrennungsanlage der Wien Energie in Spittelau konnten sich die mehr als 35 Teilnehmer:innen einen Einblick und Ausblick verschaffen. Die Fakten:


»    Bis zu 220 Lieferungen Müll werden pro Tag eingebracht.
»    1 Greifarm kann bis zu 3 Tonnen Müll greifen.
»    Bis zu 18 Tonnen Müll werden pro Stunde verbrannt.
»    Sie liefern einen Heizwert von zehn bis elf Megajoule.


Unterhalb der Straßen Wien, im alten Stadtbahntunnel, ist zudem die Fernkältezentrale untergebracht. Über unzählige Stufen geht es hinauf zur Steuerzentrale, die alles im Blick hat. Wirklich alles? Nicht ganz, den besten Ausblick bot das Dach der Müllverbrennungsanlage Spittelau, das kurzerhand zu einer atemberaubenden Kulisse wurde.

Eine Schweizer Delegation war nach Wien gereist, um mehr über die beispielhaften Lösungen von Wien Energie und Wiener Netze zu erfahren. Im Hintergrund zu sehen: Der bekannte Turm der von Friedensreich Hundertwasser gestalteten Müllverbrennungsanlage in Wien-Spittelau.

Für Fernkälte wird neben Strom auch Abwärme verwendet, die aus dem Verbrennen von Müll kommt. Daher ist die Fernkältezentrale der Wien Energie bei der MVA angesiedelt.

Ein Austausch, der Werte schafft

Was die Besucher:innen eint? Sie alle setzen auf Armaturen von KLINGER. So plant Energie Wasser Bern den Ausbau des Fernwärmenetzes mit 36 Kilometern Haupt- und Verteilleitung, das 2035 fertiggestellt werden soll. Als einzige Frau der Schweizer Delegation zeigte sich Jasmine Hostettler, Projektleiterin und Fachleiterin für Fernwärme bei Energie Wasser Bern, beeindruckt.

“Ich bin zwar zum ersten Mal dabei, aber die KLINGER Kugelhähne KHO und Ballostar KHI haben wir schon Jahrzehnte im Hochtemperaturbereich im Einsatz. Der Austausch mit den Schweizer Kollegen und der fachliche Input der Wiener Kollegen runden die Fernwärmetagung optimal ab.”

Jasmine Hostettler, Projektleiterin und Fachleiterin Fernwärme bei Energie Wasser Bern, (rechts im Bild) freute sich über den fachlichen Austausch.

In Solothurn entsteht im Gebiet Weitblick ein Energy Hub, der das Niedertemperaturnetz versorgen wird. „Die Stadt Solothurn entwickelt sich mit Weitblick. Im Fernwärmenetz kommen auch KLINGER-Armaturen zum Einsatz. Die Infrastruktur von Wien ist im Vergleich deutlich größer und entsprechend auch umso beeindruckender“, sagt Andrew Lochbrunner, Leiter Netze Wasser und Fernwärme bei Regio Energie Solothurn.

Andrew Lochbrunner, Leiter Netze Wasser und Fernwärme bei Regio Energie Solothurn, (Zweiter von links im Bild) überzeugte sich im Gumpoldskirchner Werk von der Qualität der KLINGER-Kugelhähne.

In Luzern zeichnet sich der Energieversorger ewl Luzern für den Bau und Betrieb von Fernwärmeanlagen verantwortlich.

“Wir beliefern die Stadt Luzern sowie umliegende Gemeinden. Mit der Fernwärme beschäftigen wir uns seit ungefähr zehn Jahren, aber KLINGER-Armaturen haben sich schon zuvor in den Bereichen Gas und Wasser bewährt. Die Fernwärmetagung bietet eine hervorragende Gelegenheit für einen spannenden Austausch.“

Jörg Hoffmann, Leiter Projekte bei ewl Luzern, blickt auf einen Müllberg, der Energie für Wien liefern soll.

Hoch hinaus im Kraftwerk Simmering

Ein weiteres Highlight auf der Agenda war auch der Besuch des Kraftwerks Wien-Simmering – ein kalorisches Kraftwerk, das seit 1902 besteht und vorrangig Strom erzeugt. Der 200 Meter hohe Schornstein zählt beinahe zu den Wahrzeichen Wiens. Die Fakten:

»    Die Biomasseanlage kann pro Stunde eine LKW-Ladung Holz verbrennen.
»    Eine LKW-ladung umfasst 40 Schüttraummeter Holz.
»    24 Megawatt (MW) elektrische Leistung werden dadurch erzeugt.
»    Das Frischholz stammt aus einem Umkreis von 100 Kilometern.

Im Beitrag erwähnte Kontakte:

Gerhard Praxmarer, Vertriebsleiter bei KLINGER Gebetsroither

Franz Xaver Gruber, Geschäftsführer von KLINGER Fluid Control

Jean-Pierre Dreyer, Bereichsleiter Fernwärme bei KLINGER Gysi

Daniel Läubli, Geschäftsführer von KLINGER Gysi

Schalten und walten im Fernwärme Lastverteiler der Wien Energie

Die erzeugte Energie gilt es an die Haushalte und Betriebe zu verteilen. Damit das reibungslos abläuft und Kunden nichts von einer möglichen Störung mitbekommen, dafür sorgen die Mitarbeiter:innen in der Schaltzentrale von Wien Energie. Sie gilt als das Hirn, hier laufen alle wichtigen Kommunikationsprozesse rund um die Wärmeerzeugung- und Wärmeverteilung zusammen.

Die Abteilung von Gerald Wustinger, Abteilungsleiter Lastverteiler Fernwärme und Wasserkraft bei Wien Energie, koordiniert die Versorgungssicherheit von Wärme für die Fernwärmekunden. Von der Schaltzentrale aus können sie auch die KLINGER Kugelhähne steuern und bestimmte Teile des primären Fernwärmenetzes abschalten. „Das Wiener primäre Fernwärmenetz ist ringförmig aufgebaut und auf einen Druck von 25 bis 32 bar ausgelegt. Innerhalb des Netzes haben wir insgesamt 110 Meter Höhenunterschied, hier müssen wir also einen Druck von 11 bar überbrücken“, so Wustinger.

Herausforderungen in der Wärmeverteilung

Sein Team koordiniert nicht nur die Wärmeverteilung im primären Fernwärmenetz, sondern auch sämtliche dazu notwendige vorgelagerten Prozesse wie z.B. das Fahrplanmanagement betreffend dem Wärmebedarf. „Wie auch Swissgrid in der Schweiz, ist der österreichische Stromnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) damit beschäftigt, ein ausgeglichenes Stromnetz zu erhalten. Durch Abrufe von KWK-Anlagen bei Wien Energie wird unter anderem auch der Fahrplan betreffend Wärmeerzeugung im primären Fernwärmenetz beeinflusst. Weitere Themen wie Witterung, Revisionen, Störungen, technische und rechtliche Vorgaben, Netzrestriktionen, etc. sind wesentliche Haupteinflussfaktoren, die eine Betriebsführung im primären Fernwärmenetz beeinflussen“, erklärt Wustinger . Die Fakten:

»    Gesamtlänge der Rohre des Fernwärmenetzes in Wien: ~1.200 Kilometer, das entspricht einer Distanz von Wien-Stockholm.
»    Aktuell sind rund 36-38 Prozent der Wien Energie Wärmekunden an das Fernwärmenetz angeschlossen.
»    Ziel für 2040: Wien Energie möchte bis 2040 rund 56 Prozent des Wiener Wärmebedarfs mit Fernwärme abdecken.

v.l.n.r.: Gerhard Praxmarer (Vertriebsleiter bei KLINGER Gebetsroither), Gerald Wustinger (Abteilungsleiter Lastverteiler Fernwärme und Wasserkraft bei Wien Energie), Daniel Läubli (Geschäftsführer von KLINGER Gysi) zu Besuch in der Schaltzentrale des Lastwärmeverteilers.

Aufschwung der Fernwärme in der DACH-Region

„Wir erleben gerade eine Zeitenwende, eine Energiewende. Und die wird uns nur gemeinsam gelingen. Die Kugelhähne von KLINGER Fluid Control können hier einen großen Beitrag leisten. Die Schweiz investiert massiv in die Fernwärme, wie auch die große Beteiligung an der Schweizer Fernwärmetagung zeigt“, betont Xaver Gruber, Geschäftsführer von KLINGER Fluid Control, die Wichtigkeit des Austauschs und der Zusammenarbeit beim Besuch im Werk Gumpoldskirchen.

Vom Einblick über den Ausblick bis hin zum Durchblick: Die letzte Station der 15. Schweizer Fernwärmetagung war ein Werksbesuch von KLINGER Fluid Control in Gumpoldskirchen.

Über Grenzen hinweg

Jean-Pierre Dreyer , Bereichsleiter Fernwärme bei KLINGER Gysi, stellte ein umfangreiches, dreitägiges Programm für die Schweizer Branchenkolleg:innen zusammen. Abschließend fasst Daniel Läubli, Geschäftsführer von KLINGER Gysi, die 15. Schweizer Fernwärmetagung so zusammen: „Es freut mich sehr, dass unsere Schweizer Fernwärmetagung in Wien immer wieder wichtige Betreiber, Planer und c zusammenbringt, um durch den regen Austausch clevere Lösungen in der Fernwärme entstehen zu lassen. Nur gemeinsam wird uns die Wärmewende gelingen, davon sind wir überzeugt. Als KLINGER Gysi freut es uns sehr, wenn wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können.“

Faktenbox

Wussten Sie, dass ...

  • die Gesamtlänge der Netze der Wiener Netze 28.500 Kilometer beträgt? Das entspricht der Distanz von Wien nach Sydney und zurück. Sie verteilen Gas, Wasser, Strom und neuerdings auch Wasserstoff an die Wiener Haushalte und Betriebe.
  • Kugelhähne von KLINGER Fluid Control sowohl in der Fernwärme als auch in der Fernkälte zum Einsatz kommen? Die KLINGER Kugelhähne Monoball KHO und Ballostar KHI halten dem Druck von bis zu 40 bar Stand und sind in den Nennweiten DN15 bis DN1000 verfügbar.
  • das Fernkältenetz von Wien 24 Kilometer lang ist? Es verläuft ähnlich dem Fernwärmenetz.
  • 60 Prozent der gesamten Energiemenge, die pro Jahr benötigt wird, aus fossiler Energie kommt?
  • in Wien-Aspern 2027 die erste Geothermie-Anlage mit rund 25 Megawatt Leistung ans Netz angeschlossen wird? Geothermie ist die im Erdkern gespeicherte Wärmeenergie, die Bohrungen bis zu 3.500 Meter Tiefe erforderlich macht.
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