PFAS-Verordnung bringt Fluorpolymere unter Druck

Eine aktuelle Studie der ITRE widmet sich der strategischen Bedeutung von Fluorpolymeren wie PTFE in der europäischen Industrie. Alles über die PFAS-Verordnung, und was sie für Dichtungslösungen und Dichtungsmaterialien bedeuten könnte.

13. März 2026

Fact box

Auf einen Blick

  • Die EU erwägt im Zuge der Chemikalienverordnung REACH ein umfassendes Verbot des Einsatzes von PFAS-Stoffen, was sich potenziell auf über 10.000 Substanzen auswirken könnte.
  • Fluorpolymere wie PTFE sind Teil der PFAS-Gruppe, aber ihre polymere Struktur und Stabilität unterscheidet sich von kleineren PFAS-Molekülen, die in der Kritik im Hinblick auf ihre Umweltverträglichkeit stehen.
  • Eine aktuelle Studie des ITRE-Komitees (Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie in der EU) hat die strategische Bedeutung von sechs wichtigen Fluorpolymeren (PTFE, PVDF, ETFE, FEP, PFA und KFM/FFKM) anerkannt. Zusammen machen sie etwa 93 % der Fluorpolymer-Nutzung in Europa aus.
  • Laut der Studie könnten rund 39.000 europäische Unternehmen und mehr als 2,9 Millionen Arbeitsplätze von weitreichenden PFAS-Verboten betroffen sein. Der wirtschaftliche Verlust könnte sich auf bis zu 563 Milliarden Euro summieren – im ersten Jahr. 
  • In vielen Anwendungen – vor allem bei Dichtungstechnik, Halbleitern, Luftfahrt und Energieerzeugung – ist der Ersatz von PFAS-Materialien aufgrund der einzigartigen Fähigkeiten von Fluorpolymeren technisch herausfordernd.
  • Die Dichtungsindustrie ist daher bestrebt, alternative Dichtungsmaterialien aus PTFE zu forcieren, und gleichzeitig die Produktion von FPA-freien PTFE-Materialien zu verbessern. 
  • Unternehmen wie KLINGER Dichtungstechnik haben bereits PTFE-Dichtungen im Angebot, die ohne fluorierte Polymerisationshilfsmittel produziert werden, um den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die gewohnte Dichtungsleistung zu gewährleisten.

Die regulatorische Debatte rund um PFAS – per- und polyfluorierte Alkylverbindungen – hat sich innerhalb Europas in letzter Zeit intensiviert. Die Politik evaluiert aktuell weitreichende Einschränkungen unter der europäischen REACH-Verordnung, die mehr als 10.000 Substanzen innerhalb der PFAS-Gruppe betreffen könnte. Die Zielsetzung dabei ist klar: eine Reduktion der Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch sogenannte Ewigkeitschemikalien. 

Allerdings stellen sich in dieser Debatte auch grundlegende Fragen für einen ganzen Industriezweig, der auf Hochleistungsmaterialien angewiesen ist. Fluorpolymere wie Polytetrafluorethylen (PTFE) gehören zur chemischen Familie der PFAS-Stoffe, unterscheiden sich aber eindeutig von den vielen Substanzen, die als umweltschädlich identifiziert wurden. Ihre Polymerstruktur, Stabilität und Haltbarkeit machen sie unverzichtbar in Anwendungen, die chemische Widerstandsfähigkeit, Temperaturbeständigkeit und lange Einsatzdauer verlangen.

In einer aktuellen Studie, die dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) der EU vorgelegt wurde, finden sich nun neue Fakten, die als Diskussionsgrundlage für die strategische Rolle von Fluorpolymeren in der europäischen Industrie dienen. 

Zentrale Erkenntnisse der ITRE-Studie

Die von ITRE in Auftrag gegebene Studie widmete sich der industriellen Bedeutung von Flurpolymeren und untersuchte die möglichen Auswirkungen eines weitreichenden PFAS-Verbots. Die Analyse fokussierte auf sechs wichtige Fluorpolymere (PTFE, PVDF, ETFE, FEP, PFA und KFM/FFKM), die ungefähr 93 % der Fluorpolymer-Nutzung in Europa abdecken. Diese Materialien sind weit verbreitet und eine wichtige Stütze der europäischen Technologieführerschaft. So benötigen etwa die Halbleiterindustrie, die Luftfahrtbranche, Elektronikproduktion, Wasserstofftechnologie und erneuerbare Energiequellen Fluorpolymere, um aggressiven Chemikalien, hohen Temperaturen und strengen Sicherheitsstandards gerecht zu werden. 

Die zentralen Erkenntnisse der Studie lauten:

  • Sechs Fluorpolymere sind bei der industriellen Nutzung vorherrschend: PTFE, PVDF, ETFE, FEP, PFA und KFM/FFKM machen zusammen knapp 93 % der Fluorpolymer-Anwendungen in Europa aus.
  • Fluorpolymere sind für strategische Industriezweige unverzichtbar: Diese Materialien sind essenziell für Bereiche wie die Halbleiterindustrie, die Luftfahrtbranche, die Elektronikproduktion, die Wasserstofftechnologie und für die erneuerbare Energieerzeugung.
  • Ein großer Teil der europäischen Industrieproduktion könnte betroffen sein: Ein weitreichendes Verbot von PFAS-Materialien würde rund 39.000 europäische Unternehmen und mehr als 2,9 Millionen Arbeitskräfte betreffen und im ersten Jahr Verluste von 563 Milliarden Euro nach sich ziehen, mit zusätzlichen Kosten von 73 Milliarden Euro in den Folgejahren. 
  • Ein Ersatz von PFAS-Materialien ist eine technische Herausforderung: Für viele anspruchsvolle Anwendungen lassen sich keine kurzfristigen Alternativen finden, aufwändige Überarbeitungen von Designs, Tests und Zertifizierungen wären erforderlich. 
  • Daher wird ein differenzierter regulatorischer Ansatz angeregt: Die Studie legt nahe, dass gezielte Ausnahmen für kritische Anwendungen gewährt werden, längere Übergangsfristen für Technologien der Energiewende eingeräumt werden und verstärkt in die Forschung investiert werden sollte, um technisch einsatzfähige Alternativen zu finden. 

Warum Fluorpolymere in der Dichtungstechnik notwendig sind

Besonders in der Dichtungsbranche wird die große Bedeutung von Fluorpolymeren deutlich sichtbar. Industrielle Dichtungssysteme müssen einen leckagefreien Betrieb gewährleisten, vor allem in Bereichen, wo die Anlagen korrosiven Chemikalien, hohen Drücken oder starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. 

PTFE ist schon seit langem als geeignetes Material für diese Anwendungen anerkannt, weil es eine einzigartige Kombination aus Eigenschaften mit sich bringt. Es verfügt über außerordentliche chemische Widerstandsfähigkeit, geringe Reibungswerte, exzellente Dichteigenschaften und Stabilität über ein breites Temperaturspektrum hinweg.

In vielen Anwendungsfällen dienen Dichtungsmaterialien als sicherheitskritische Komponenten. Verlässliche Dichtungen schützen vor dem Austritt von schädlichen Substanzen und unterstützen Anlagenbetreiber dabei, ihre Ausrüstung zu erhalten und zunehmend striktere Emissionsvorschriften einzuhalten. Aus diesem Grund ist die Materialauswahl bei der Dichtung nicht einfach nur eine Sache der Kosten oder Verfügbarkeit – sie wirkt sich auch unmittelbar auf die Betriebssicherheit und den Umweltschutz aus. Insofern hat die PFAS-Debatte auch direkte Auswirkungen auf die Dichtungstechnologie. Wenn die Nutzung von Fluorpolymeren umfassend eingeschränkt oder sogar ohne technisch gleichwertige Alternativen verboten wird, müssen sich Anwender:innen einen völlig neuen Zugang zu Ersatzstoffen erarbeiten.

PTFE Dichtungs-Alternativen: Technische Möglichkeiten und Einschränkungen

Die Forschung hinsichtlich Alternativen bei PFAS PTFE-Dichtungen hat innerhalb der Dichtungsbranche bereits an Fahrt aufgenommen. Ihr Ziel liegt darin, neue Materialien zu finden, die sowohl die gleiche Dichtungsleistung erbringen als auch die regulatorischen Vorgaben erfüllen. 

  • Anwendungen im Niedertemperaturbereich können auf Alternativen auf Basis von Elastomer- oder faserverstärkten Dichtungen zurückgreifen. 
  • Im Hochtemperaturbereich weisen graphitbasierte Dichtungsmaterialien hohe Hitzebeständigkeit auf. 

Dennoch bringen diese Alternativen auch Einschränkungen bei ihrer Leistungsfähigkeit mit sich. Als Konsequenz müssen Anwender:innen Abstriche bei der chemischen Kompatibilität, Temperaturbeständigkeit, Kriechverhalten und Lebensdauer hinnehmen, wenn sie mit Alternativen arbeiten. 

Aus diesem Grund ist der Ausstieg aus Fluorpolymeren – so er von der Verordnung vorgegeben wird – mit einer komplexen Suche nach Materialinnovationen, Designanpassungen und Prozessoptimierung verbunden. Eins zu eins lassen sich Fluorpolymere nicht ersetzen. 

PFAS-freie und FPA-freie Dichtungsmaterialien

Ein weiterer Aspekt der PFAS-Diskussion dreht sich um die Terminologie von „PFAS-freien“ und „FPA-freien“ Materialien. Obwohl diese Begriffe oft synonym verwendet werden, beschreiben sie unterschiedliche technische Konzepte.

  • PFAS bezeichnet die gesamte chemische Klasse an fluorierten Substanzen, in die auch fluorierte Polymere wie PTFE fallen. Ein als PFAS-frei deklariertes Material enthält keine dieser Stoffe und wird daher auch nicht als PTFE klassifiziert
  • Der Begriff „FPA-frei“ hingegen bezeichnet PTFE-Materialien, die ohne fluorierte Polymerisationshilfsmittel (FPA) hergestellt werden. Diese Prozesshilfsmittel kommen in der Herstellung von PTFE zum Einsatz, sind aber nicht Teil des finalen Polymerprodukts. Fortschritte in der Prozesstechnologie haben es möglich gemacht, PTFE ganz ohne diese Hilfsmittel zu erzeugen

Diese bedeutende Unterscheidung dient als Argument gegen Umweltbedenken beim Einsatz von FPA-freien Materialien. Gleichzeitig bringen sie die gleiche Leistung in anspruchsvollen Anwendungen wie PTFE. Anwender:innen, Einkäufer:innen und ESG-Manager sollten sich dieser Unterscheidung bewusst sein, um die regulatorischen Vorgaben und die Produktdokumentationen richtig zu interpretieren. 

Lösungen für einen regulatorischen Rahmen im Wandel

Dichtungshersteller haben als Antwort auf die erwarteten Vorschriften und Umweltauflagen bereits damit begonnen, ihr Produktangebot anzupassen. KLINGER bietet beispielsweise bereits Dichtungsmaterialien aus PTFE-Materialien an, die ohne fluorierte Polymerisationshilfsmittel – also FPA-frei – hergestellt wurden. Die top-chem-Produktlinie gewährleistet die gewohnten Leistungsmerkmale von PTFE und bleibt dabei im Rahmen der Umweltauflagen. 

Mit solchen Entwicklungen beweist die Dichtungsbranche, dass Innovation nicht unbedingt eine Abkehr von Hochleistungsmaterialien bedeuten muss. Stattdessen lassen sich Produktionsmethoden verfeinern, Materialmischungen verbessern und anwendungsspezifische Lösungen finden, die Verlässlichkeit unter Einhaltung der Umweltvorgaben möglich machen. 

Gleichzeitig sucht die Dichtungsbranche nach alternativen Materialien für Anwendungen, wo der Ersatz technisch möglich ist. Graphitbasierte Lösungen, hochentwickelte faserverstärkte Materialien und hybride Dichtungstechnologien stehen im Fokus von Forschung und Entwicklung. 

PFAS-Verordnung und die Zukunft der Industriedichtung

Die ITRE-Studie belegt, dass Fluorpolymere unverzichtbar für moderne Industriesysteme sind. Ihre Eigenschaften bereichern die Halbleiterindustrie, die Wasserstofftechnologie und moderne Verfahrenstechnik.

Für die Dichtungsindustrie ist daher ein ausgewogener regulatorischer Rahmen unerlässlich. Umweltschutz und verantwortungsvolles Chemikalienmanagement bleiben zentrale Ziele, aber das regulatorische Umfeld muss auch die technischen Anforderungen kritischer Industrieanwendungen mit bedenken.

Während die Debatte zur PFAS-Verordnung in Europa anhält, wird das Zusammenspiel von Politik, Materialwissenschaft und Industrietechnik die Zukunft der Dichtungstechnik prägen. Anwender:innen, die Materialwissenschaft und Hersteller müssen eng zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Dichtungssysteme auch bei zunehmend anspruchsvollen Betriebsbedingungen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Umweltschutz gewährleisten.

Hinweis

Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen basieren ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen der European Sealing Association (ESA) und European Chemicals Agency (ECHA). Trotz sorgfältiger Recherche können zwischenzeitliche Änderungen oder Aktualisierungen durch die genannten Institutionen erfolgen, sodass sämtliche Angaben ohne Gewähr und vorbehaltlich künftiger Anpassungen erfolgen.

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche oder individuelle Beratung dar. Maßgeblich sind ausschließlich die jeweils aktuellen Veröffentlichungen und Vorgaben auf den offiziellen Webseiten der ECHA.

Stand: Februar 2026

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